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  • Ein nationales Epos. Ein großes Werk der Romantik. Eine obligatorische Schullektüre. Fast 200 Jahre nach der Premiere von Pan Tadeusz (auf Deutsch: Herr Thaddäus) ist das epische Gedicht von Adam Mickiewicz (1798-1855) fast jedem Polen bekannt, auch wenn jeder es ein wenig anders assoziiert. Nichtsdestotrotz würden die meisten Polen wahrscheinlich bestätigen, dass Pan Tadeusz in der polnischen Literatur eine herausragende Stellung einnimmt. Nicht umsonst wurde Mickiewicz schon in jungen Jahren mit Porträts wie dem obigen und auch nach seinem Tod mit Denkmälern geehrt. Dem Pan Tadeusz wurde sogar ein ganzes Museum in Wrocław gewidmet. Aber weckt das Werk zum Beispiel in Deutschland irgendwelche Assoziationen? Hatte oder hat es überhaupt eine Chance, in das deutsche Bewusstsein vorzudringen? In dieser Online-Ausstellung werden wir nach Antworten auf diese Fragen suchen.
    Auf dem Bild: Ein anonymes Porträt von Adam Mickiewicz in seiner 1822 in Vilnius erschienenen Sammlung Poezye. Der Dichter war zu diesem Zeitpunkt 24 Jahre alt. 
    Nationalbibliothek in Warschau

  • Doch zunächst eine kurze Zusammenfassung der Handlung von Pan Tadeusz. Die Geschichte spielt im Jahr 1812 in dem kleinen Dorf Soplicowo in Litauen. Das Gebiet gehörte zuvor zur polnisch-litauischen Union, kam aber Ende des 18. Jahrhunderts infolge der Teilungen unter russische Herrschaft. Es gibt einen Konflikt zwischen polnischen Adligen aus Soplicowo um das dortige Schloss – die Szene einer Schlägerei zwischen ihnen ist auf der Abbildung oben zu sehen. Parallel zu diesem Streit spielt sich die Liebesgeschichte der jungen Mitglieder der verfeindeten Familien ab: der titelgebende Tadeusz und Zosia, die sich in ihn verliebt. 
    Auf dem Bild: Ein Streit zwischen Adligen in Soplicowo in einem Kupferstich von Michał Elwiro Andriolli aus dem Jahr 1882. Dieser gefragte Buchillustrator war mit dem Sohn von Adam Mickiewicz, Władysław, befreundet.
    Nationalbibliothek in Warschau

     

  • Als sich der Streit zwischen den Adelsfamilien zuspitzt, kommen sie plötzlich zur Vernunft: Sie erkennen, dass sie anstatt sich gegenseitig zu bekämpfen, gegen einen gemeinsamen und echten Feind wenden sollten – die Russen. Mit vereinten Kräften vertreiben sie die russischen Soldaten aus Soplicowo, oder symbolisch: aus Polen. Im Gegenzug leben die beiden Familien fortan in Harmonie, und ihr Zusammenhalt wird durch die Heirat von Tadeusz und Zosia zusätzlich verstärkt.
    Auf dem Bild: Die Bewohner von Soplicowo im Kampf gegen die Russen auf einem Kupfertich von Michał Elwiro Andriolli aus dem Jahr 1882. Ein fortschrittlicher Graf reitet an der Seite eines traditionsbewussten Adligen und symbolisiert so die Einigung der Polen über alle Unterschiede hinweg.
    Nationalbibliothek in Warschau

  • Als Adam Mickiewicz 1834 im Pariser Exil Pan Tadeusz veröffentlichte, war die Botschaft des Epos klar. Einerseits enthielt es einen patriotischen Aufruf, die Polen zu vereinen und ihre Unabhängigkeit wiederzuerlangen. Andererseits zeigte der Text die Bandbreite der Haltungen der polnischen Gesellschaft, insbesondere des Adels, während der Teilungen Polens. In ihm prallten Konservatismus und Progressivität, Engstirnigkeit und Weltoffenheit, Streitsucht und Kompromissbereitschaft, Loyalität und Aufmüpfigkeit aufeinander.
    Auf dem Bild: Ein polnischer Adliger, dargestellt von Jean-Pierre Norblin de la Gourdaine in einem Stich aus dem Jahr 1818. Als französischer Künstler, der sich in Polen niederließ, illustrierte Norblin das Leben der Polen mit Faszination, aber auch mit einer Prise Humor.
    Nationalmuseum in Warschau

  • Die Eigenschaften der Polen wirkten sich je nach Umständen besser oder schlechter aus. Sie traten jedoch in den Hintergrund, wenn die Notwendigkeit, sich in schwierigen Zeiten zu vereinigen, im Vordergrund stand. Leider war die Einigung der Polen oft überfällig. Das war Ende des 18. Jahrhunderts der Fall, als die Polen, um eine drohende Teilung durch Preußen, Österreich und Russland zu verhindern, eine Verfassung verabschiedeten, um den schwachen Staat zu reformieren. Zu spät. Das Sprichwort „Mądry Polak po szkodzie“ (auf Deutsch: Hinterher ist der Pole immer klüger), das der Dichter Jan Kochanowski bereits in der Renaissance geprägt hatte, war immer noch aktuell. 
    Auf dem Bild: Anonymer englischer Kupferstich mit einer allegorischen Szene der ersten Teilung Polens im Jahr 1772. Die Herrscher von Russland, Preußen und Österreich teilen das Land unter sich auf, während der polnische König wie eine Geisel mit gefesselten Händen dasitzt.
    Nationalbibliothek in Warschau

  • Bis heute prägen die widersprüchlichen Eigenschaften der Adligen von Soplicowo das Denken vieler Polen über sich selbst. Mickiewicz, ein Vertreter der „in Gefangenschaft geborenen“ Generation, die sich gegen die Unterdrückung auflehnte, wurde zu einem Exponenten der polnischen Natur, der Erinnerung und des Schicksals. Pan Tadeusz setzte sich im kollektiven Bewusstsein der Polen fest. Dazu trug nicht nur die Eloquenz des Werks bei, sondern auch seine bewunderte poetische Form, die die literarische Kunstfertigkeit des Autors und seine lyrische Sehnsucht nach der verlorenen Heimat widerspiegelt.
    Auf dem Bild: Burgruine in der litauischen Stadt Trakai auf einem Gemälde von Wojciech Gerson aus dem Jahr 1855. Das heimatliche Litauen in Mickiewiczs Erinnerungen und Werken besteht vor allem aus idyllischen Landschaften, Spuren früherer Pracht und lokalen Glaubensvorstellungen.
    Nationalmuseum in Warschau

  • Nicht nur Pan Tadeusz, sondern auch viele andere Werke von Mickiewicz beschäftigten sich mit der Frage der Wiedererlangung der Unabhängigkeit. Das poetische Drama Dziady oder Ahnenabend enthüllte Mickiewiczs philosophisches und politisches Konzept des Messianismus der polnischen Nation. Demnach sollten die Polen nach Jahren der Verfolgung eine wichtige Rolle bei der Wiederherstellung von Freiheit und Gerechtigkeit auf der Erde spielen.
    Auf dem Bild: Gustaw, einer der Protagonisten von Dziady, in einer Illustration von Czesław Borys Jankowski aus dem Jahr 1896. Gustaw, der mit sich selbst an der Grenze zwischen der Welt der Menschen und der Geister ringt, wandelt sich von einem unglücklich Verliebten zu einer Figur namens Konrad, einem Kämpfer für die Freiheit der Nation.
    Nationalbibliothek in Warschau

  • Mickiewicz und andere Schriftsteller seiner Zeit entwickelten eine spezifisch polnische Variante der Romantik. Ihre Hauptbestandteile waren das Streben nach Freiheit, die nationale Solidarität, die Aufopferung und moralische Überlegenheit gegenüber auferlegten Autoritäten. Laut Maria Janion, einer führenden Forscherin der Romantik, wurde das Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit zur Quelle des Wertesystems der Polen bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.
    Mehr über Maria Janion und ihre Interpretation der Romantik erfahren Sie in der obigen Aufzeichnung der Debatte, die wir im Jahr 2020 organisiert haben.

  • Romantische Werte mobilisierten die Polen zum Widerstand gegen die Teilungsmächte im 19. Jahrhundert, zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1918, zum Kampf gegen die Deutschen im Zweiten Weltkrieg und zum Widerstand gegen die kommunistische Herrschaft in der Nachkriegszeit. Ein Beispiel für die Massenvereinigung der Polen war die soziale Bewegung Solidarność, die sich auf dem Foto von 1980 manifestiert. Erst der Zusammenbruch des Kommunismus und die Wiedererlangung der Souveränität in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren schwächten das romantische Wertegerüst. Nach Meinung vieler war sie schlichtweg nicht mehr notwendig.  
    Auf dem Bild: Eine Demonstration zur Unterstützung der Solidarność während des Streiks auf der Danziger Werft 1980, fotografiert von Zenon Mirota. Einige interpretierten die Solidarność als ein Erbe der Romantik. Erfahren Sie mehr über diese soziale Bewegung anhand der Materialien auf unserer Webseite.
    Europäisches Zentrum der Solidarność in Gdańsk (Danzig)

     

  • Romantische Werte wurden jedoch manchmal kritisiert. Bereits im 19. Jahrhundert setzte ein Teil der polnischen Elite auf „Basisarbeit“: die Position der Polen unter den Teilungen sollte in kleinen Schritten aufgebaut werden, statt in Aufständen und Schlachten. Kritiker sahen in den romantischen Vorstellungen nicht die Quelle des Heldentums, sondern der unangemessenen Emotionen und Fehleinschätzungen, die hinter den gescheiterten polnischen Aufständen gegen die Teilungsmächte, insbesondere die Russen, standen. Diese Aufstände endeten in der Unterdrückung der Polen und ihrer Massenauswanderung in den Westen. Gleichzeitig wurden die Aufstände für einen Teil der Bevölkerung zu einem Objekt der Verehrung, und die Gefallenen wurden zu Märtyrern.     
    Auf dem Bild: Begrüßung eines polnischen Emigranten in einem Gasthaus in Frankreich auf einer Lithografie von Denis Raffet aus der Zeit um 1831. Nach der Niederschlagung des Novemberaufstands gegen die Herrschaft der Russen verteilten sich Tausende von Polen über ganz Europa. Diejenigen, die sich bereits im Exil befanden, wie Adam Mickiewicz, hatten keine Möglichkeit, in ihr Heimatland zurückzukehren.
    Nationalbibliothek in Warschau

  • Die Auseinandersetzung mit dem Erbe der Romantik ist Teil der polnischen Kultur geworden. In seiner Verfilmung von Pan Tadeusz aus dem Jahr 1999 verpackte Andrzej Wajda Mickiewiczs Geschichte in eine deprimierende Handlungsklammer, die den Dichter inmitten polnischer Emigranten in Paris zeigt, denen er sein Epos vorliest. In dieser Version ist die Geschichte der Adligen von Soplicowo eine Fabel über eine verlorene Heimat, die die Polen nicht zu retten vermochten, während die Auswanderung nicht als Chance, sondern als brutale Konsequenz der Zwietracht innerhalb der Nation erscheint.
    Auf dem Bild: Adam Mickiewiczs Schreibtisch, an dem er in seiner Pariser Wohnung Pan Tadeusz schrieb. Jahre später ging der Schreibtisch an das Museum des Dichters im Pariser Exil. Es wurde 1903 von seinem Sohn Władysław gegründet und dieses Foto wurde dort in den 1920er Jahren aufgenommen.
    PAUart – Katalog der künstlerischen und wissenschaftlichen Sammlungen der Polnische Akademie der Gelehrsamkeit

  • Hatte Pan Tadeusz mit seinem kulturellen und emotionalen Gewicht eine Chance, sich bei den deutschen Lesern zu etablieren? Die erste deutsche Übersetzung des Werks mit dem Titel Herr Thaddäus erschien 1836, nur zwei Jahre nach dem Erscheinen des Originals. Spätere vollständige Übersetzungen von Pan Tadeusz erschienen mehr als ein Vierteljahrhundert nach Mickiewiczs Tod: zwei Versionen, von Albert Weiss und Siegfried Lipiner, wurden 1882 unabhängig voneinander veröffentlicht.
    Auf dem Bild: Das Titelblatt der ersten deutschen Übersetzung von Pan Tadeusz, die 1836 in Leipzig erschien. Mickiewicz war mit der Arbeit des Übersetzers Richard Otto Spazier nicht zufrieden, der fälschlicherweise behauptete, gemeinsam mit dem Autor an der deutschen Fassung gearbeitet zu haben.
    Bayerische Staatsbibliothek, München

  • Nachfolgende deutsche Übersetzungen von Pan Tadeusz wurden 1921 (Robert Steingraber), 1955 (Walter Panitz), 1963 (Hermann Buddensieg) und 1977 (Walburg Friedenberg) veröffentlicht.  Die Übersetzung von Buddensieg, einem Liebhaber und Popularisierer der polnischen Literatur, gilt heute als die beste. Gleichzeitig wurden einige Pläne, das Gedicht zu übersetzen, nie verwirklicht – so auch die Absicht von Lina Morgenstern, Autorin und Aktivistin des 19. Jahrhunderts, die aus Wrocław (ehemals Breslau) nach Berlin übersiedelte und die Protagonistin einer der Episoden unserer Podcastreihe „Grabsteine mit Migrationshintergrund“ ist.
    Klicken Sie auf den Player um den Podcast anzuhören.

  • Bei so vielen verfügbaren Übersetzungen hatten die deutschen Leser reichlich Zeit und Gelegenheit, sich mit Pan Tadeusz vertraut zu machen. Dennoch stieß das Werk nicht auf ihr Interesse. Seine polnische patriotische Botschaft unterschied sich zu sehr von der Perspektive der Menschen in Preußen oder Österreich – Länder, die gemeinsam mit Russland polnische Gebiete annektiert hatten und kein Interesse an der Förderung polnischer Freiheitsparolen hatten. Sporadisches Interesse an den Polen, vor allem verbunden mit Sympathie anlässlich gescheiterter Aufstände, siegte in den deutschsprachigen Gesellschaften über Distanz, Unverständnis oder Abneigung.
    Auf dem Bild: Ein Kupferstich von Johann Carl August Richter, der Dresden im Jahr 1830 zeigt. Während und nach dem Novemberaufstand gab es hier eine polnische Emigrantenkolonie. Einer der Emigranten war Mickiewicz, der sich von 1831 bis 1832 in Dresden aufhielt.
    Staatliche Kunstsammlungen Dresden

  • Es gab noch einen weiteren Grund für das mangelnde Interesse der deutschen Leser an Pan Tadeusz und anderen polnischen Werken. Die polnische Romantik unterschied sich von der deutschen Romantik, und zwar erheblich. Erstens in zeitlicher Hinsicht: Als um 1820 in der polnischen Literatur, Malerei und Musik Werke mit romantischen Zügen erschienen, war die deutsche Romantik – die drei Jahrzehnte überdauert hatte – eigentlich schon am Aussterben.
    Auf dem Bild: Caspar David Friedrichs Gemälde Der Wanderer am Nebelmeer von 1818. Dieses Gemälde ist emblematisch für die deutsche Spätromantik. Im Mittelpunkt steht ein Mensch, der mit seinen eigenen Gefühlen und den Kräften der Natur konfrontiert.
    Hamburger Kunsthalle

  • Anders als die polnische Romantik spielte ihre deutsche Variante keine große Rolle bei der Gestaltung und Integration der Gesellschaft. Diese Funktion wurde von der Aufklärung, einer früheren Strömung in Kultur, Wissenschaft und Politik, übernommen. Die Kriege mit dem französischen Kaiser Napoleon und der vorübergehende Verlust der Unabhängigkeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts inspirierten die deutschen Dichter nicht zur Revolte und zum Kampf in der Poesie. Sie konzentrierten sich auf die Gefühle, die Persönlichkeit und die Spiritualität des Einzelnen und nicht auf die Nation.
    Auf dem Bild: Napoleon bei der Verleihung einer Verfassung für das Herzogtum Warschau auf einem Gemälde von Marcello Bacciarelli aus dem Jahr 1811. Für die Polen war Napoleon ein Objekt der Dankbarkeit, weil er einen Ersatz für ihren früheren Staat geschaffen hatte, auch wenn dieser nur acht Jahre dauerte. Für die Deutschen war Napoleon ein Besatzer und Zerstörer.  
    Nationalmuseum in Warschau

  • Nicht die Nation, sondern das Individuum war es, mit dem sich unter anderem Johann Wolfgang von Goethe in seinen Werken beschäftigte. Er gilt als Begründer der modernen deutschen Literatur und als Vorläufer der deutschen Romantik. Manche vergleichen Mickiewiczs Stellung im polnischen kollektiven Gedächtnis mit Goethes Rolle als Symbol der nationalen Identität in der deutschen Kultur. Die beiden hatten 1829 in Weimar Gelegenheit, sich kennenzulernen, und Mickiewicz hatte zuvor mehrere Werke Goethes ins Polnische übersetzt. Allerdings gab es zwischen den beiden Schriftstellern viele Differenzen, und das lag nicht nur am Alter Goethes, der 50 Jahre älter war als Mickiewicz.
    Auf dem Bild: Goethes Haus in Weimar auf einem anonymen Kupferstich von 1856. Hier besuchte Mickiewicz den deutschen Schriftsteller. Ihr Gespräch drehte sich um Literatur, und die beiden Männer sparten trotz ihrer Differenzen nicht mit Komplimenten. Heute befindet sich an diesem Ort das Goethe-Nationalmuseum.
    Bayerische Staatsbibliothek, München

  • Mickiewicz und Goethe unterschieden sich in ihrem Verständnis von der Rolle der Literatur und des Dichters. Für Goethe waren die Unterschiede zwischen den Nationen und damit der Patriotismus nicht wichtig, weshalb er dieses Thema nicht ansprach. Auch der Glaube an Gott war für Goethe weniger wichtig als für Mickiewicz und wurde von ihm nicht als gemeinschaftsstiftende Kraft angesehen. Goethe distanzierte sich von aktuellen Strömungen und vermied es, politische Parolen zu verkünden. Mickiewicz hingegen widmete sein literarisches und außerliterarisches Schaffen fast ausschließlich der Werbung für die polnische Unabhängigkeit. 
    Auf dem Bild: Goethe in der römischen Campania auf einem Gemälde von Johann Tischbein aus dem Jahr 1787. Der Dichter ließ sich von den klassischen Idealen der antiken Kunst inspirieren. Hier werden sie durch junge Pflanzentriebe symbolisiert, die über römische Ruinen klettern – ein Zeichen für die Wiedergeburt universeller Werte.
    Städel Museum, Frankfurt am Main

  • Trotz zahlreicher Übersetzungen und zeitweiligem Interesse wurden Pan Tadeusz und andere Werke von Mickiewicz nicht zu einer dauerhaft beliebten Lektüre unter den Deutschen. Außerdem wurde ihr Geschmack eher von den Werken der französischen, italienischen oder russischen Romantiker getroffen. Heute ist es schwierig, in der deutschen Kultur eine lebendige Erinnerung an Mickiewicz zu finden, und das Interesse an ihm wird meist nur von einer kleinen Gruppe einheimischer Gelehrter und Liebhaber der polnischen Literatur geweckt. Gelegentlich findet man Mickiewicz jedoch auf Denkmälern – wie hier in Weimar, der Stadt Goethes.
    Auf dem Bild: Eine Büste von Adam Mickiewcz im Weimarer Park an der Ilm. Die Skulptur von Gerhard Thieme wurde 1956 neben Denkmälern für andere Dichter der Romantik aufgestellt: den Ungarn Sándor Petőfi und den Russen Alexander Puschkin. In der Nähe steht eine Statue von William Shakespeare, dem Schutzpatron der europäischen Literatur. Alle Skulpturen befinden sich nur wenige Gehminuten von Goethes ehemaligem Wohnhaus entfernt.
    Wikimedia Commons

  • HERR TADEUSZ, ODER ZWEI ROMANTIKEN
    Eine Online-Ausstellung des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften

    Autor der Ausstellung: Dr. Maciej Gugała
    Deutsche Übersetzung: Agnieszka Zawadzka

    Das in dieser Ausstellung verwendete Bildmaterial stammt aus legalen Quellen und wurde in Übereinstimmung mit dem Urheberrecht erworben.

    Für Interessierte empfehlen wir insbesondere folgende Publikationen, die bei der Entstehung der Ausstellung hilfreich waren:
    – Heinrich Olschowsky, Johann Wolfgang von Goethe und Adam Mickiewicz. Poetische Gesetzgeber des kulturellen Kanons, in: Deutsch-Polnische Erinnerungsorte, Bd. 3: Parallelen, hrsg. von H. H. Hahn und R. Traba, Padeborn 2011, S. 217–244;
    – Neil MacGregor, Deutschland – Erinnerungen einer Nation, München 2017 (besonders Kapitel Eine Nation unter Goethe).
    Adam Mickiewicz und die Deutschen, hrsg. von E. Mazur-Kębłowska und U. Ott, Wiesbaden 2000.

    Auf dem Plakat: Fragment einer Illustration von Michał Elwiro Andriolli aus dem Jahr 1882 zu Pan Tadeusz, in der die Hauptfiguren gegen einen gemeinsamen Feind – die Russen – antreten .
    Nationalbibliothek in Warschau